Herbstürme im Frühsommer

3. Tag – 24.05.2006 Masseik (Leeuwerik) nach Roermond (Einde)

Die Nacht über hatte ich hervorragend geschlafen. Für gewöhnlich werde ich auf meiner Isomatte regelmäßig wach, weil mir der Arm eingeschlafen ist, auf dem mein Kopf liegt. Diesmal hatte ich vom Sonnenuntergang an in einem durch geschlafen. Ich wollte auch so gar nicht aufstehen, zu wohl fühlte ich mich in der Unordnung in meinem kleinen Zelt, schön warm im Schlafsack eingemümmelt, wohl wissend, dass es draußen deutlich kälter sein würde – der Jahreszeit zum Trotz.

Aber es half nichts, irgendwann stand ich dann doch auf, setzte Teewasser auf, putzte die Zähne und begann meine Prötteln zusammenzupacken. Irgendwann wunderte ich mich doch, dass das Wasser noch nicht kochte. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es noch nicht mal lauwarm war, obwohl es eigentlich seit Minuten schon hätte kochen sollen. Die Kartusche pfiff wirklich aus ihrem letzten Loch. Mittels regelmäßigen Schüttelns bekam ich das Wasser aber doch noch so gerade heiß und bekam somit doch noch einen Tee.

Danach setzte ich mich viel zu spät erst um 10:15h in Bewegung, Roermond und meinem Frühstück entgegen. Zunächst entlang der Maas, dann über Kessenich nach Thorn. Kurz vor dem Städtchen entdeckte ich ein Schild, dessen Bedeutung mir noch nicht wirklich aufgegangen ist:

In Thorn kam mir ein Trauermarsch entgegen, der Richtung Friedhof zog. Nachdem er vorbei war, lief ich zum Kirchplatz weiter, wo ich ein Cafe fand, in dem ich mir erstmal ein richtiges Frühstück gönnte: ein Baguette mit Camembert und ein Croissant. Kurz vor dem Frühstück kam ich an einem Fahrradladen vorbei, der auch Ausrüstung verkaufte. Ich erkundigte mich nach einer Kartusche, jedoch hatten sie mein System nicht, sondern nur die blauen Campinggas-Dinger die man durchstechen muss (meines ist zum Schrauben). Ich vertagte das Problem bis Roermond.

Weiter ging es über endlose Straßen und so langsam taten mir die Füße weh. Wald- und Feldwege sind erheblich angenehmer zu laufen! Also beschloss ich die 3km kürzere Alternativroute zu nehmen, zumal mir die Hauptroute auch nicht attraktiver erschien. Also wollte ich lieber Zeit gewinnen. Die Polderlandschaft war auch nicht so schön, wie ich sie mir von der Karte her vorgestellt hatte. Ehrlich gesagt, fand ich sie eher langweilig.

Der Alternativpfad führt auf eine kleine Halbinsel, von der man aus mittels Fähre Richtung Roermond übersetzt. Auf der Halbinsel, die ich schon eine gute dreiviertel Stunde vor ihrem erreichen sehen konnte, ist eine Campinganlage, ein Yachthafen und ein Gastronomiebetrieb. Alles war da, nur keine Fähre. In der Rezeption sagte man mir, dass die normalerweise schon da wäre, da es jedoch so windig wäre, heute jedoch nicht, man hätte nicht damit gerechnet dass sie jemand brauche.

Ich machte eine Pause bevor ich mich auf den Weg zurück von der Halbinsel machte. Kaum hatte ich begonnen wieder weiter zu gehen, bracht ein richtiger Sturmschauer los und meinen Plastiküberzug über dem Rucksack (kurz: Rucksack-Kondom) wäre mir beinahe davongeflogen, hätte er sich nicht am Zeltgestänge verfangen. Nach dem Regenguss bracht sofort die Sonne stechend hervor mit der Verheißung weiterer Schauer.

Weiter ging es über Straßen, an der Autobahn entlang über eine Brücke bis Roermond. Vor der Christoffer Kirche, die man schon von weitem sehen kann, wurde gerade ein Betrag über den Jakobsweg gedreht. Gott sei Dank, entwickelten sie kein Interesse an mir, so dass ich ungeschoren (ohne Interview) davon kam. Dafür bekam ich in der Kirche einen Stempel und fragte auch gleich, wo ich denn Campinggas herbekommen könne. Die beiden, von denen ich den Stempel bekam, kümmerten sich rührend um mich, und boten mir auch gleich an, in der Pilgerherberge zu übernachten. Aber ich wollte dem Wetter trotzend weiter.

Campinggas habe ich allerdings auch in Roermond nicht bekommen, zwar hab ich in einigen Sportgeschäften nachgefragt, aber entweder hatten sie keines oder auch das falsche System. Dafür hatte ich das Glück einen weiteren Schauer in einem Cafe bei Wasser und Kaffe zu überstehen.

Weitere geteerte Straßen trugen mich aus Roermond heraus und auch danach ging es über Teer weiter nach Asselt, wo ich auf der Karte einen Campingplatz ausgemacht hatte.

Der Betreiber des Platzes konnte mir bei meinem Gasproblem auch nicht weiterhelfen, jedoch platzierte er mich direkt neben einem Campingmobil und meinte, ich könne doch einfach meine Nachbarn bitte, mir einen Topf heiß zu machen. Was ich auch tat.

Nach dem Duschen, ging ich in ein Restaurant ein Stück den Weg zurück, wo ich zu Abend aß. Durch den einsetzenden Regen ging es zurück zum Zelt. … es ward Abend, es ward Morgen, der nächste Tag.

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