Déjà-vu

1. Tag - 23.04.2006 von Aachen nach Schevenhütte

”Man sagt, jeder Weg beginne mit dem ersten Schritt. Nun bei mir und dem Jakobsweg war dem vielleicht auch so, aber mehr als die drei oder vier Schritte aus meiner Haustüre hinaus, bin ich zunächst nicht gekommen. Dann hieß es erstmal darauf warten, dass mein GPS genügend Sateliten gefunden hat, damit mir - dem Statistikfanatiker - auch kein Meter durch die Lappen geht. Die Zeit nutzte ich für eine letzte Zigarette bevor es denn wirklich losging. Ich könnte also sagen: mein Jakobsweg begann mit einer Zigarette, danach folgte dann der wahrhaft erste Schritt.”

Das hab ich letztes Jahr über den Start des Jakobsweges geschrieben, der mich schließlich - bislang - bis nach Reims gebracht hat. Und genauso könnte ich es auch diesmal wieder schreiben, denn der Anfang begann genau so.

Nun ja, wenn man den Anfang des Tages betrachtet, fing es schon anders an, nämlich damit, dass ich erstmal kräftig verschlafen habe. Außerdem hatte ich eigentlich schon am Vortag los gewollt, wie letztes Jahr zwei Tage inkl. Übernachtung laufen wollen. Aber dazu kam es leider nicht, da ich den Samstag auch schon nicht aus dem Bett gekommen war und als Ausrede für meine Faulheit die Steuererklärung vorschob, die ich denn aber auch wirklich gemacht habe.

Nun am Sonntag bin ich dann statt wie gewohnt so zwischen 9:00 und 11:00 erst um 13:30h losgelaufen, nachdem ich rund eine Stunde mit meinem inneren Schweinehund gekämpft hatte. Diesmal hat er jedoch verloren:

  • das Wetter war für’s Wandern phantastisch
  • ich hatte sonst nix vor
  • ein Blick auf meine Wage bestätigte nur allzu genau, dass ich wieder was tun musste
  • die Steuererklärung war gemacht
  • sogar die Wohnung war geputzt und gespült hatte ich auch
  • Schevenhütte liegt außerdem Schevenhütte gerade mal rund 26km von meiner Haustüre weg
  • zurück gab es jede Menge Busverbindungen bis „spät” in die Nacht, zumindest lange genug, um auf jeden Fall wieder nach Hause zu kommen
  • ich brauchte einen Vorwand meine neue Kamera in der Praxis zu testen, ob sie wirklich wandertauglich ist.

Kurz: es gab nicht ein einziges Argument, zu Hause zu bleiben.

Statt des großen Rucksacks wurde nur der kleine gepackt, schließlich würde ich nur den Nachmittag unterwegs sein, warum also übertreiben. Zunächst ging es, wie sonst, zum Dom, wo ich traditionsgemäß kurz rein gegangen bin.

Vom Dom aus ging es am Kleinmarschiertor vorbei, wobei ich jeden bedauerte, der versuchen würde, nur aufgrund der Wanderzeichen dem Jakobsweg durch Aachen zu folgen: mal waren sie da, dann auch schon wieder nicht. Hier in Aachen ist mir das ja egal, schließlich wusste ich, wo ich hin wollte und ebenso wie ich dahin kommen würde, aber in Köln dann das noch lustig werden. Die Karte in dem Buch taugt übrigens auch nur bedingt: Wanderkarten sind gut für’s Gelände, als Stadtpläne jedoch eher dürftig.

Von dort aus kommt man über die Burtscheider Brücke nach Burtscheid. Hier waren sogar schon die ersten Blüten zu sehen, der Winter scheint wohl doch so langsam sein Ende zu finden, naja ist ja auch noch nicht Mai. Burtscheid, einen Stadteil den ich zwar jeden Tag zur Arbeit mit dem Bus durchquere, gehört zu den Weißen Flecken meines eigenen Stadtplanes, soll heißen, so wirklich bin ich dort noch nie gewesen und würde man mich dort aussetzen, könnte ich auch nicht sagen, wo ich bin. Insofern sah ich etwas neues, noch nicht mal eine Stunde von zuhause weg. Ich muss schon sagen, ich bin beeindruckt: so viele Kirchen auf so wenig Fläche, dass schaffen wohl sonst nur Münster, Assisi und Rom.

Von Burtscheid aus beginnt der „Aufschieg” vorbei am Waldfriedhof zum Burtscheider Wald und von dort dann weiter nach Kornelimünster. Ab dem Friedhof kannte ich den Weg bis Schevenhütte außer den letzten Kilometer komplett. Im Grunde musste ich also nicht einmal auf die Karte sehen oder das Buch konsultieren. Vor rund zwei Jahren bin ich schon mal den Weg gelaufen, jedoch habe ich erst am Waldfriedhof begonnen und bin dafür bis Langerwehe gelaufen. So weit wollte ich diesmal nicht, da ich pünktlich zum Tatort wieder zu Hause sein wollte. Weshalb ich auch ziemlich „gerannt” bin.

In Kornelimünster kam ich rund zweieinhalb Stunden nach meinem Aufbruch an. Eine wirkliche Pause hab ich selbst dort noch nicht gemacht, aber kurz angehalten, um ein Eis in der „berühmten” Eisdiele zu kaufen.

Empfehlung: Eis statt Standesamt

Die Beschreibung zur Eisdiele ist in die „richtige” Richtung, als von Köln kommend, nicht wie ich, nach Köln gehen. Für das Eis muss man zwar vom Weg abweichen, aber das hält sich in Grenzen: wenn man den Fluss überquert hat, geht man nicht die Treppe den Berg rauf sondern biegt nach rechts ab und folgt der Hauptstraße. Nach ca. 50m erreicht man die Eisdiele (linker Hand). Von dort aus geht man bis zur nächsten Kreuzung weiter (erneut ca. 50m) und biegt an der Kreuzung links ab. Nach weiteren 100m an der Unterführung kommt man wieder auf den Jakobsweg (dahinter geht’s dann übrigens rechts weiter). Was man verpasst ist ein kurzer Aufstieg und das wirklich nicht sehenswerte Standesamt von Kornelimünster, dafür bekommt mein ein geniales Eis.

Langsam mein Eis essend ging ich weiter den Abteiberg rauf und von dort zwei Kilometer entlang der Landstraße nach Breinig. Eine Streckenführung für die man diejenigen, die sie sich ausgedacht haben, wirklich steinigen sollte. Statt dessen wäre es sinnvoller Breinig auf Wirtschaftwegen durch die Felder zu umgehen. Nachdem Breinig halb umgangen halb durchquert ist, geht es weiter zum Schlangenberg.

Hier beginnt der schönste Teil der Strecke. Der Schlangenberg wird umrundet und anschließend durch den Wald. Hier machte ich denn auch meine erste „wirkliche” Pause. An einer Bank auf der bereits ein älteres Ehepaar saß. Die beiden sinnierten über ein Schild (Reitweg) und fragten mich, ob ich mich mit den Gangarten von Pferden auskennen würde. Also in welcher Reihenfolge ein Pferd seine Beine bewege. Zu meinem Entsetzen wusste ich das nicht und wir philosophierten ein wenig rum. Zeit hatte ich, da ich mir abgeschminkt hatte, den Bus um 17:20h noch zu bekommen und so erst den eine Stunde später erreichen würde, den aber wiederum locker.

Durch den Wald und durch Vicht ging es weiter. Kurz vor Schevenhütte machte ich meine zweite Pause und ein Pärchen kam „Nordic-Walkend” an mir vorbei. Kurze Zeit später brach ich auch wieder auf. Bevor ich sie jedoch wieder einholen konnte, bogen sie rechts ab und ich traf erst einige Zeit später wieder auf sie. Die beiden empfahlen mir kurz vor Schevenhütte, anstatt dem offiziellen Weg weiter zu folgen, lieber links runter nach Schevenhütte zu gehen, da der Weg schöner wäre und eine phantastische Aussicht auf die Kirche garantiere. Naja, die Aussicht hab ich wohl verpasst, aber nett war der Weg schon und der Ausblick auch: wäre da nicht das Kraftwerk in Eschweiler.

Den Bus um 17:20h hatte ich - wie erwartet- verpasst, dafür folgte ich dem Ratschlag auf diesem komischen Monument vor der Kirche und genosst zum Tagesabschluss einen Kaffe beim Kiosk nahe der Haltestelle.

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