Zwei-Dom-Tag, oder endlich im Bergischen

4. Tag - 30.06.2006 vom Kölner Dom nach Hilgen

Um auch mal etwas positives über das Unternehmen der Zukunft zu sagen: am Freitag den 30.06. setze mich die Bahn pünktlich um viertel nach Zehn in Köln ab. Ich hatte mir einen Tag Urlaub genommen, damit ich den Samstag bei Freunden in Köln verbringen konnte und bis Remscheid noch zwei Tagesetappen vor mir lagen.

Da es ein Freitag Vormittag war, wusste ich, dass ich in Köln auch noch einen Stempel im Dompfarrbüro bekommen würde, schließlich handelte es sich ja um normale Geschäftsöffnungszeiten. Also bin ich kurz in den Dom, wo ich mir den Weg habe weisen lassen und dann gegenüber ins Domforum. Bevor ich jedoch zum Dombüro im ersten Stock aufstieg bin ich erstmal in die Katakomben zum stillen Örtchen gegangen. Das die Kölner Redewendungen sooo ernst nehmen, war mir vorher nicht bewusst gewesen:

Im Dombüro bekam ich meinen Stempel, das Domsiegel, und machte den Vorschlag, für den Jakobsweg einen Stempel anzufertigen, der keinen Siegelcharakter hätte. Den brächte man auch nicht verschlossen zu halten und könnte ihn somit beim Turmaufgang deponieren, womit die Jakobspilger nicht mehr an die Geschäftsöffnungszeiten gebunden wären. Die Frau im Sekretariat zeigte sich zwar interessiert, aber das es was ändert, wage ich zu bezweifeln.

Anschließend stand ich vom ersten Problem des Tages: ich wollte über die Bahnbrücke und zwar zu Fuß, fand jedoch den Aufgang zum Fußweg vom Dom aus nicht. Auf nachfragen bei scheinbar Eingeborenen bekam ich nur ein Kopfschütteln. Ich beschloss also die nächste Rheinbrücke zu versuchen. Um zum Rhein zu kommen, bin ich durch den Bahnhof und dann zum Rheinufer und siehe da, dort gab es einen Aufgang zur Brücke.

Anschließend ging es den Rhein rauf, doch auf der Halbinsel, die in den Rhein reinragt, über die der Weg eigentlich geht, gab es kein weiterkommen. Scheinbar war da irgendeine Jugendfreizeit und ich wurde von einem Security Menschen zurück geschickt. Also verließ ich den Rhein und bin stattdessen etliche Kilometer durch das schnöne Mühlheim gelaufen - Nachts hätte ich definitiv angst gehabt!

Kurz bevor ich Köln-Mühlheim wieder Richtung Dünnwald verließ (nicht das man den Ortswechsel wirklich bemerken würde, außer dass die Häuser um einen herum nicht mehr so runtergekommen sind), kaufte ich mich eine Flasche Mineralwasser an einem Kiosk. Da an dem Abend Deutschland spielte (was in Köln nicht zu übersehen war, sogar einen Husky mit Deutschland-Schweißband kam mir entgegen) bekam ich zum Wasser auch noch vier Deutschlandfahnen von der Bildzeitung geschenkt, die ich mir als abwaschbares Tatoo hätte sonst an den Körper aufbringen können ... ich hab die Dinger immer noch ... naja in zwei Jahren ist ja Europameisterschaft.

In Dünnwald gönnte ich mir einen Kaffe und ein Brötchen in einer Bäckerei, bevor ich die asphaltierten Straßen endlich gegen Waldwege eintauschen konnte. Der Tag war brüllend heißt und ich freute mich schon immens auf die Wälder des Bergischen Landes, in der Hoffnung unter dem Schatten der Bäume wäre es kühler. Neben Kaffe und Brötchen gab es in der Bäckerei auch noch zwei echte Sahneschnitten, die am Tisch mir gegenüber Platz nahmen.

Von Dünnwald aus ging es durch den Wald nach Bergisch Gladbach, wo ich die ersten Wegschilder sah mit Ortsnamen, die - so muss ich gestehen - doch eine gewisse Nostalgie bei mir auslösten. Von Bergisch Gladbach aus ging es weiter Richtung Altenberg; Odenthal wurde kurz gestreift und dich Traf auf die Dünn. Von hier verlief der Weg bis kurz vor dem Etappenziel entlang von Flüssen, erst die Dünn, anschließend dem Eifgenbach und zuletzt einem winzigen Bach, dessen Name ich jedoch nicht kenne.

Auf der Strecke von Odenthal nach Altenberg machte ich eine Pause und mir war so heiß, dass ich mir die Hälfte meiner Wasserflasche über den Kopf geschüttete habe. Was in der Tat eine gewisse Erfrischung brachte, jedoch auch das T-Shirt völlig durchnässte. Das war zwar noch nicht mal unangenehme jedoch später etwas peinlich. Ich hatte die Strecke nach Altenberg nämlich auf rund 4 km geschätzt und gedacht in 45-60 Minuten würde das T-Shirt schon wieder trocken. Ich war jedoch schneller da.

Einen Stempel würde ich in Altenberg nicht bekommen, dass wusste ich bereits vorher. Ich hatte nämlich mit dem Pfarrbüro telefoniert, um herauszufinden, ob man in Altenberg irgendwo zelten oder preiswert übernachten könnte, oder zumindest in der Nähe. Die Pfarrsekretären beschied mir jedoch, dass die Pilgerherberge gerade Ferien hätte und Campen könne man auch nirgendwo, jedoch wolle sie sich erkundigen und ich sollte noch mal anrufen. Außerdem informierte sie mich, dass es außerhalb der Öffnungszeiten auch in Altenberg keinen Stempel geben würde, und das Pfarrbüro würde um 14:00h freitags schließen - also keinen Stempel, dafür aber einen Haufen schöner Fotos vom Altenberger Dom. Der Altenberger Dom gefällt mir wohl auch deshalb so gut, weil er nach dem Kölner Dom vergleichsweise schlicht und hell ist, mal ganz abgesehen von seiner Lage, die einfach traumhaft ist.

Ich musste mich entscheiden, entweder eine intensivere Besichtigung des Doms oder die erste Hälfte des Deutschlandspieles gegen Argentinien - ich entschied mich für den Dom. Nach dem was ich nachher über das Spiel gehört habe, die richtige Entscheidung.

Kurz hinter Altenberg traf auf zwei Männer, die sich einen Baumstamm in den Eifgenbach gerollt hatten mitten im Fluss mit den Füßen im kühlen Wasser Schach spielten. Ich fand die Idee witzig und beneidete die beiden auch. Auf die Frage, ob ich ein Foto von ihnen machen könnte, meinten sie, nur wenn sie später Abzüge davon bekämen. Natürlich habe ich ihnen die Fotos später zugemailt.

Ungefähr an dieser Stelle habe ich denn auch den Jakobsweg verlassen, der von dort aus eigentlich weiter Richtung Wermelskirchen geht und bin statt dessen den Berg rauf Richtung Hilgen gelaufen, wo ich ein Zimmer für die Nacht gebucht hatte. Auf dem Weg habe ich mich einmal verlaufen und den Fluss zu oft überquert. Anstatt jedoch zurückzulaufen bin ich querfeldein Richtung Eifgenbach den ich dann auch Todesmustig ohne Brücke überquert habe.

Kurz nach der Flussüberquerung erlegte ich dann bei einer Pause zwei Bremsen mit einem Schlag ... leider hatten sie mich zuerst erwischt. Während der eine Stich sich normal entwickelte und nur dick wurde, entwickelte der andere einen riesigen roten Hof (bestimmt 6 cm Durchmesser). Am folgenden Montag bin ich zum Arzt damit, nur um mich zu beruhigen. Gejuckt habe jedoch beide wenig.

Kurz vor Hilgen, nach einem Anstieg zum Bergrücken, traf ich wieder auf die Zivilisation und eine Hauptverkehrsstraße, der ich dann bis zum Hotel folgte. Auf halber Strecke kam ich an einem anderen Hotel vorbei, und bereute, dass ich mich für das andere entschieden hatte: a) wäre das erste preiswerter bewese, b) boten sie die Möglichkeit das Spiel in der angeschlossenen Kneipe zu sehen. Mein Hotel hingegen war todeslangweilig.

Zu seiner Ehrenrettung sollte ich jedoch sagen, dass das Abendessen echt klasse war und so richtig Bergisch: viel Soße, selbige kräftig gewürzt; viel Kartoffeln, sogar im Salatdressing; ausreichende Mengen von Fleisch. Fazit: die Bergische Küche hat nicht das Zeug dazu, weltberühmt zu werden, aber wer Hunger hat und es deftig liebt, ist da immer gut bedient. Für mich selbst war es neben der Landschaft das zweite markante Indiz, dass ich mich der Stätte meiner Kindheit näherte ... ein bisschen Nostalgie mit eingeschlossen.

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