Entlang der Ourthe

3. Tag - 23.07.2005 von Liège nach Esneux

Am Samstag ging es morgens bereits früh los. Genau genommen bin ich 15 eher aufgestanden, als wenn ich zur Arbeit gehe, schließlich wollt ich nicht unnötig Zeit verlieren. Tja, am Bahnhof gab es das erste Problem: der Thalys war ausgebucht, nur noch erster Klasse war frei. Beim Thalys finde ich das für eine Strecke von 40 Minuten halte ich das für Geldverschwendung, insbesondere wenn die Bimmelbahn auch nur kurz später losfährt und nicht wesentlich länger braucht. Also hab ich einen Kaffe getrunken, ein Brötchen gegessen und auf den Zug gewartet.

In Liège angekommen ging es erstmal nach St. Jacques, um meinen ersten erlaufenen Stempel abzuholen. Danach ging es dann erstmal 6-7km durch die Stadt. Nicht die hässlichste Stecke aber auch nichts, was man gesehen haben muss. Im Grunde ging es mal zurück nach Angleur. Das war der letzte Bahnhof vor Liège, an dem die Bimmelbahn gehalten hat, der Weg geht genau vor dem Bahnhof lang.

An einer Parkbank am Standrand habe ich meine erste Pause gemacht. Von dort aus ging es den Berg rauf. Danach entwickelte sich der Weg endlich so, wie ich ihn mir wünsche. Zunächst ging es den Berg hinauf und dann bis nach Esneux im leichten auf und ab meistens durch den Wald weiter. Erst kurz vor Esneux geht es wieder zurück ins Tal der Ourthe.

Nach einiger Zeit erreichte ich den Außenbezirk der Uni Liège. Da kann man ja fast neidisch werden. Zwar liegt die Uni ein gutes Stück außerhalb der Stadt aber zumindest die Teile, die ich gesehen habe waren schon fast malerisch. Vor einer Skulptur direkt am Waldausgang macht ich meine nächste Rast. Der Weg danach ist unspektakulär und ich betrachte ihn als einfach. Zwar geht es einige Male den über Geröll, aber nichts wirklich Dramatisches. Auf halber Strecke legte mich meine letzte Rast ein.

Sie lag wirklich malerisch über der Ourthe. Zu meiner Raststätte ging es nur 3-4 Meter vom Weg ab und schon war ich auf einer Art natürlichen Parkbank aus Steinen von der aus ich das Tal gut überblicken konnte. In der „Nische” neben mir waren zwei Studenten (?), ich konnte sie zwar hören aber nicht sehen. Im Tal sah man einen Bauerhof, wo irgendein Depp gerade sein Auto tunte: er fuhr damit Quer über die Weiden, dann zurück zum Bauerhof, wo das Auto quer gelegt wurde, danach heizte er wieder über die Weiden. Dabei bekam er Probleme mit seiner Motorhaube, also zurück zum Bauernhof, Motorhaube abgerissen und wieder über die Weiden. Offensichtlich war das nicht das erste Mal, die Kühe auf den Wiesen schienen daran gewöhnt zu sein.

Neben dem „Bekloppten” sichtete ich auch noch zwei Echsen, die in der Sonne lagen.

Von dort aus war es dann nicht mehr weit und ich war in Esneux, wo es einen Camping Platz gab, wie ich der Wegbeschreibung entnommen hatte, die ich mir mittlerweile besorgt hatte. In der Touristeninfo fragte ich, wo ich den Campingplatz finde und bin gleich dorthin mein Zelt aufbauen. Anschließend habe ich noch versucht in der Kirche jemanden des Stempels wegen anzutreffen, aber außer einem Haufen Pfadfinder vor der Kirche gab’s da nix. Also ab ins Dorf, zwei Bier getrunken und Reisetagebuch geschrieben. Das Dorf ist einerseits malerisch auf der anderen Seite ziemlich touristisch angehaucht: ziemlich viele Geschäfte entlang des Flussen, eine weit sichbare Kirche auf dem Berg und daneben ein Dornrösschenschloss.

Nach dem Bier ging’s zurück zum Campingplatz, der leider am falschen Ende der Stadt lag, wo ich mir erstmal was zum Abendessen gemacht hab. Außer mir waren nur Niederländer da, sogar mit Wohnwagen und weißem Plastikgartenzaun zum Mitnehmen. Muss eigentlich jedes Klischee erfüllt werden?!?

Mir war was den nächsten Tag anging ein wenig mulmig. Bereits auf dem Weg war mir aufgefallen, dass ich mich bei meiner Planung um schlappe 10km verrechnet hatte. Esneux teilt den Weg zwischen Liège und Huy nicht in zwei gleiche Teile, sondern nach Plan in 19 und 33km. Nimmt man noch den Umweg über den Campingplatz und in Huy vom Weg zum Bahnhof dazu rechnete ich mit 36-39km, damit war ich noch leicht optimistisch wie sich herausstellen sollte, der nächste Tag brachte nach GPS exakt 40km, kurz zuviel. Ich nahm mir vor früh aufzustehen, um am nächsten Tag nicht auch noch hetzen zu müssen. Aber wie so oft im Leben...

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