Zurück zur Maas

4. Tag - 24.07.2005 von Esneux nach Huy

Der Tag begann (wieder mal) um 7:30h. Die Nacht hatte ich mit einigen kurzen Unterbrechungen gut geschlafen, wie üblich (bei mir), wenn ich im Zelt übernachte. Nach dem Aufstehen und der obligatorischen Morgenhygiene gab’s erst mal Tee und ich zerlegte das Zelt schon mal, in der Hoffnung, dass das Kondenswasser wenigstens zum Teil in der Morgensonne wegtrocken würde. Danach gab’s dann Frühstück und die restlichen Klamotten wurden Eingepackt. Zwischendurch habe ich mich immer wieder mit meinem Nachbarn unterhalten, einem jungen, niederländischen Design-Professor in Italien, der mit dem Fahrrad zurück nach Rom unterwegs war.

Zwei Stunden nach dem Aufstehen, ging es dann los. Zunächst quer durch’s Dorf wieder auf den Weg zurück. Zwischendurch habe ich noch bei der Touri-Info angehalten, in der Hoffnung, dort einen Stempel für den Pilgerausweis zu bekommen. Aber das konnte er nicht. Wieder auf den Berg zur Kirche mit ungewissem Ergebnis hatte ich keine Lust. Also entschied ich mir den Stempel irgendwo auf dem Weg zu organisieren.

Am Ortseingang ging es gleich wieder in den Wald hinein und anschließend auf einem gut ausgebauten Waldweg stetig aber nicht besonders steil den Berg rauf. Eigentlich hatte ich vor, die erste Rast erst in Croix Andre zu machen, überlegte es mir jedoch anders und legte sie etwas früher er auf einer Brücke ein.

Die Brücke ging über einen Fluss, naja, wenn das was geflossen wäre, wäre es wohl einer gewesen. Der verbliebene Tümpel war von gefällten Bäumen fast komplett überdeckt. Der Reiseführer, über ein Jahr alt, spricht von einer frisch gerodeten Lichtung. Wie frisch die letztes Jahr gerodet war, im Angesicht dessen, wie es da jetzt noch aussieht, wage ich ja zu bezweifeln.

Der Jakobsweg folgt übrigens die ganze Zeit schon einem der großen Rundwanderwege von Belgien, der erheblich besser beschildert war als der Jakobsweg. Alles in allem hab ich mir nur 2x kurz verlaufen und es schnell gemerkt, einmal fehlte die Kennzeichnung an einer Abzweigung von einem Feld runter durch einen schmalen Pfad in ein Dorf, das andere Mal in St. Severin, wo der Jakobs- und der Wanderweg sich hinter der Kirche an der Wegkreuzung trennen. Ungefähr zur Halbzeit fing es an zu regnen, aufgehört hat es bis zum Ende nicht mehr, nur regnete es mal mehr mal weniger. Ich packte den Fotoapparat in den Rucksack und sog dem Rucksack sein Kondom über, damit die Klamotten darin nicht nass würden. Mich selbst ließ ich vollregnen. Ungefähr zu dieser Zeit überlegte ich mir auch, dass ich Probleme mit der Rückfahrt kriegen würde, wenn ich nicht ein wenig auf’s Gas treten würde. Also legte ich einen Zahn zu und weiter ging es. Die meiste Zeit von der Halbzeit aus über Straßen und gut ausgebaute Feldwege, außerdem ging es nicht steil Berg auf oder Berg ab, so dass ich ausgesprochen schnell vorankam.

In St. Severin machte ich vor der Kirche eine Pause. Da die Türe offen stand, beschloss ich drinnen nachzufragen, wo ich den Pass abstempeln lassen könnte. In der Kirche war nur eine Frau, so zwischen 40 und 50, die überraschender Weise Englisch konnte und mich an das Nachbarhaus verwies. Dort angekommen begrüßte mich der Pfarrer, der leider nur Französisch sprach. Ich hielt ihm den Pass unter die Nase und er bedeutete mir zu warten. Einige Minuten später tauchte er mit einer jungen Frau wieder auf, die offensichtlich die Büroarbeit der Gemeinde erledigte. Von ihr bekam ich also meinen zweiten Stempel. Die nächsten Kilometer ging es fast nur durch Dörfer und über die Straße, nicht so prickelnd ... aber schnell.

Kurz bevor man Huy erreicht, biegt man rechts von einer Hauptstraße ab, ohne Wegbeschreibung wäre ich geliefert gewesen, denn dort war nirgends ein Zeichen zu finden und es war pures Glück, dass ich den Reiseführer genau an der Seitenstraße zu Rate zog, auf die ich drauf musste. Sie schlängelte sich durch ein Wohngebiet, an dessen Ende man wieder zurück auf die Felder kommt. Auch hier fehlen einige wichtige Wegweiser, doch die Beschreibung war stimmig. So kam ich schließlich über die Felder und zuletzt durch einen kleinen Wald nach Huy.

In Huy geht es steil den Berg runter bis man a) in die Innenstadt und b) zurück zur Maas kommt. Die Innenstadt scheint ein malerisches Städtchen zu sein, für dessen Schönheit ich jedoch weder Zeit noch Lust hatte. Immer noch hatte ich die Hoffnung einen früheren Zug zu bekommen, so groß konnte die Stadt doch nicht sein und der Bahnhof somit nicht weit weg. Leider hatte ich wieder Mal die selben Konflikte mit den örtliche ausgehangenen Stadtplänen wie in Liege: warum haben die da auch drei Bahnhöfe drauf eingezeichnet und nicht beschriftet? Egal ich kam schließlich doch noch zum Bahnhof, es war 19:00h und ich war mindestens 40km gelaufen (nach GPS, das aber anfangs im Wald Empfangsprobleme hatte). Definitiv zu viel! Zumal ich anfangs gebummelt und am Ende Tempo gemacht hatte. Für die Tour in 4 Wochen habe ich mir durchschnittlich 22-23km pro Tag vorgenommen, wobei einige 28km Märsche dabei sein werden. Mal sehen, wie gut ich ohne Wegbeschreibung klar komme, dafür soll es in Frankreich gute Karten geben. Ich hoffe nur, dass ich möglichst schnell durch eine Ortschaft komme, wo man die auch kaufen kann.

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