Massenhaft intelligent geraten

6. Tag - 30.07.2005 von Andenne nach Namur

Die Teilstrecke von Andenne nach Namur ist gemäß dem „Outdoor” Buch etwas länger als die Teilstrecke zuvor, die Wegbeschreibung allerdings erheblich kürzer. Für die Strecken zwischen zwei Ortschaften, für die der Autor normalerweise fast jedes mal mindestens eine Seite braucht, waren dieses Mal jeweils so kurz, dass die gesamte Beschreibung knapp auf zwei Seiten passt. Ich schloss draus, dass der Weg fast nur über Straßen geht, denn so las sich das bisschen, was dort stand auch. Also rechnete ich damit, die nicht mal 25km schnell hinter mir zu haben und gegen 14:00 - 14:30h anzukommen, wenn ich um 9:30h aufbreche.

Zunächst ging es aber zurück zur Kirche den Stempel einsammeln, den ich nicht bekam. Der Mann der alles für die Messe vorbereitete, ich schätze es war der Küster, wusste zwar was ich wollte, signalisierte mir jedoch, dass er keinen Stempel hatte. Na gut, so wichtig ist mir das nicht und ich gab mich mit einem handschriftlichen Eintrag zufrieden. Dafür drückte er mir dann aber - sozusagen als Entschädigung - ein Faltblatt mit der Beschreibung der Kirche in die Hand. Etwas seltsam fand ich das schon: draußen an der Türe und gegenüber der Kirche an einem Eingang haben sie große, blaue Schilder mit der Jakobsmuschel angebracht, aber den Stempel haben sie verbummelt?

Anders als vermutet ging es schon sehr schnell nicht mehr über die Straße sondern zwischen Feldern entlang und durch schmale Waldstreifen ständig einem kleinen, teils matschigen Pfad folgend unweit und parallel zur Maas. Schon auf dieser Strecke fehlten viele der sonst üblichen Wegweiser an entscheidenden Stellen und der Dreizeiler aus dem Buch gab auch nicht viel her. Aber ich dachte mir, die Richtung stimmt, also immer gerade aus weiter. Auf halber Strecke nach Sclayn hört der Trampelpfad auf und man wechselt über zum Ravel entlang der Maas. Die nächste Brücke wird gleich genommen und man überquert zum ersten Mal des Tages die Maas.

Direkt hinter der Brücke geht es wieder den Berg rauf und zwar richtig ätzend entlang einer Landstraße, die Gott sei’s getrommelt und gepfiffen, wenig befahren ist, da sie keinen Standstreifen und erst recht keinen Bürgersteig besitzt. Mir war zum Teil richtiggehend unwohl dabei. Am nächsten Ort kommt man direkt am Ortseingang an eine Weggabelung, wo der Wegweiser auf einem Straßenschild in der Mitte der Gabelung angebracht ist und einfach gerade aus weißt, ich entschied, dass damit der rechte Pfad (die Straße) gemeint ist, bis heute bin ich mir da unsicher. Durch den ganzen Ort hindurch gab’s keine Hinweisschilder mehr und die Wegbeschreibung taugte auch nicht viel, da einige T-Kreuzungen vergessen wurden. Irgendwann kam ich jedoch an der Ortskirche vorbei und beschloss, dass ich auf dem richtigen Weg bin, schließlich spart der Jakobsweg kaum eine Kirche aus. Die Kirche an sich war sehr modern und wenig erwähnenswert, aber der „Glockenturm” ist witzig:

Hinter der Kirche kommt man wieder an eine T-Kreuzung, wo ich rechts abbog, in der (schwachen) Hoffnung, dass dies eine der wenigen Stellen wäre, die der Reiseführer erwähnt. Danach ging es dann wieder links, wenn auch nicht 100m weiter sondern nach einer deutlich größeren Entfernung. Der Straße folgend verlässt man das Dorf sehr schnell, es gibt sogar einen Wegweiser am Anfang der Straße. Danach wurde es dann zum ersten Mal so richtig spannend. Die Wegbeschreibung äußert sich dazu wie folgt: „Nach 2,5km trifft dieser [sic] Straße auf eine Querstraße, hier rechts abbiegen zum Zentrum von Wartet. Hier biegen sie links ab und folgen der Straße nach Marche-les-Dames” (aus „Outdoor - Der Weg ist das Ziel: Belgien: Jakobsweg”). Normalerweise lässt der Autor dieses ansonsten empfehlenswerten Werkes keine Kreuzung aus und gibt selbst in trivialen Fällen lieber mehr Informationen als nötig. Persönlich hege ich jedoch den Verdacht, dass er die Strecke von Andenne nach Namur nie gelaufen ist, zumal auch die Kilometerangaben im Anhang völliger Quatsch sind. Die 23km laut Buch entpuppten sich als fast 30km, die letzte Teilstrecke ist ca. 3x so lang wie angegeben und was sich oben so einfach anhört, würde ich (aus meiner Erinnerung von vor zwei Tagen) etwa wie folgt beschreiben:

Nach ½ bis 1km kommt man an eine Kreuzung, hier weiter gerade aus, die Straße verlassend auf dem Feldweg weiter. Nach einiger Zeit erreicht man eine Weggabelung, an der der Hauptweg links abbiegt und ein kleiner Pfad weiter gerade aus läuft, letzterem folgt man. Der Weg macht eine Kehre nach links und endet auf einem Querweg, wo man nach rechts weitergeht. Auf der nächsten Straße angekommen biegt man nach links ab und läuft bis zur Kirche, die man schon vor einiger Zeit gesehen hat. Auf dem Weg dahin im Zweifel immer für den linken Weg entscheiden, es kommen Abzweigungen und Weggabelungen, die Straße heißt Rue le Waret (nicht Wartet, da kommt man auch noch hin). An der Kirche vorbei bis zu einem Kreisverkehr, hier weiß man auch dass man (wieder) richtig ist, da es einen Wegweiser gibt. Der Hauptstraße immer berg ab folgen und alle Weggabelungen und Kreuzungen ignorieren, bis man zu einer Brücke kommt, die über einen kleinen Fluss folgt, dass ist, wenn die Steigung erstmals fast aufhört. Direkt hinter der Brücke ist eine Bushaltestelle auf der linken Seite. Man überquert die Brücke und läuft Richtung Wartet (dieses mal mit einem T mehr, man ist übrigens in Marche-les-Dames) Dort geht man den Berg wieder hinauf und freut sich über einen vereinzelten Wegweiser.

Soweit die Beschreibung zum obigen zitierten Teilstück. Auch die folgende Erklärung ist blödsinnig und Wegweise Mangelware, ich werde für einen eventuellen Leser, der den Weg laufen will, den Weg weiter aus meiner Erinnerung beschreiben, die Beschreibung ist aber bitte mit Vorsicht zu genießen.

An der nächsten Kreuzung biegt man rechts ab und folgt den Wegweisern bis man ins Tal kommt. Kurz vorher verlässt der Weg die Straße und geht ein kurzes Stück entlang einer Hausmauer zur Landstraße im Tal selbst, allerdings ist das bestenfalls eine Abkürzung von 200m im Vergleich zum Weg über die Straße. Auf der Landstraße nach Rechts ein kurzes Stück weiter, bevor man wieder nach Links abbiegen muss. Man geht nach einigen Metern über eine Brücke über den kleinen Fluss und dann links in den Wald hinein. Zunächst auf dem Hauptweg weiter den Berg hinauf. Oben angekommen kommt man zu einer großen Kreuzung wo sich bestimmt 8 Waldwege treffen, hier den Weg möglichst gerade aus gehen bis man zu einer Kreuzung kommt, wo ein kleinerer Pfad weiter gerade aus geht und zwei größere nach rechts und links abbiegen. Auf einem der Bäume des Pfades, der gerade aus führt steht „Private” (der Baum steht etwa 5 m hinter der Kreuzung), an dieser Kreuzung links den Berg wieder hinunter und diesem Pfad folgen, bis er den Wald verlässt. An einer Straße angekommen biegt man links, Richtung Maas, ab bis man zur Maas kommt, hier gibt es dann auch wieder einen Wegweiser. An der Maas nach rechts, Fluss aufwärts, auf den Ravel drauf, bis man nach Beez kommt, wo der Ravel auch unterbrochen wird. Hier geht es zunächst nach links, dann wieder nach rechts unter der Autobahnbrücke durch. Schön links halten, bis man wieder zur Maas kommt. Kaum ist man da, hat man auch schon die nächste Brücke vor sich. Jetzt kann man sich überlegen, ob man dem Ratgeber folgt, die Brücke überquert (so wie ich es gemacht habe) oder den Weg ein wenig abkürzt und auf dieser Seite der Maas bleibt und bis in die Innenstadt, der Maas entlang, bis zur nächsten Brücke läuft. Danach taugt das Handbuch wieder was.

Trotzt dieser Hindernisse kam ich in mittlerweile strömendem Regen in Namur an. Der Regen hatte schon den ganzen Tag immer mal wieder angefangen und aufgehört. Als ich im letzten Wald vor Beez war, hatte es sich jedoch so richtig eingeregnet. Auch der Weg war ziemlich matschig, aber kein Vergleich mit NZ, so dass ich in meinem Vorankommen nicht dadurch aufgehalten wurde - wen interessieren schon einige Schlammpfützen, die noch nicht mal Knietief sind und obendrein auch noch locker umgangen werden können. Nur Fotos fielen des Regens wegen natürlich aus. In Namur am Bahnhof kam ich gegen 15:30h an mein Zug ging um 16:23h zurück. Ich hatte also jede Menge Zeit mir die Rückfahrkarte zu kaufen und noch zwei Kaffees zu trinken, auf eine Stadtbesichtigung hatte ich bei dem Wetter und schon völlig durchgeregnet nun wirklich keine Lust mehr.

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