Musik liegt in der Luft

7. Tag - 06.08.2005 von Namur nach Rivière

Ich erreichte Namur mit einiger Verspätung. Was erstaunlich ist, da sich die Belgische Bahn eigentlich bislang nach meiner Erfahrung dadurch ausgezeichnet hat, dass sie erstaunlich pünktlich ist. Den Preis, den sie dafür zahlt, ist dass sie an etlichen Bahnhöfen einfach stundenlang rumsteht, bevor sie pünktlich abfährt. Nun dieser Zug hatte bereits in Liege Verspätung.

Aber egal, die Tagesetappe für diesen Tag war nicht allzu lang, ich machte mir also keine Sorgen. Zunächst versuchte ich in zwei Kirchen einen Stempel zu ergattern, daraus wurde allerdings nichts, die erste Kirche war gänzlich leer die zweite nur von zwei Touris und einem, den ich nicht so recht zuordnen konnte, besucht. Dafür war die Stadt gerammelt voll: es war Marktag und der zog sich durch die ganze Stadt vom Bahnhof bis fast zur Maas hin. Trotzdem erreichte ich die Maas und somit auch die Zitadelle auf der anderen Seite.

Von Namur an folgt man nicht mehr den Wegweisern des Jakobswegs, die so spärlich sind wie die Tage zuvor, sondern den Wegweisern des GR (125/126 oder 12, das hab ich noch nicht herausgefunden), die durch weiß-rote Balken gekennzeichnet werden, bzw. durch rotweiße Andreaskreuze (X), wenn man wo nicht lang soll. Die Zeichen sind recht großtzügig angebraucht, wenn auch gelegentlich auf die bereits in einem Asterix festgehaltene Art und Weise „Vielleicht-Vielleicht-Auch-Nicht”, sprich eine Weggabelung in deren mit die rot-weißen Balken sind und der Wandere darf raten.

Zunächst weisen sie einem den Weg rauf zur Zitadelle, von wo aus man einen hervorragenden Überblick über Namur hat. Leider war das Wetter zu schlecht für brauchbare Fotos. An der Zitadelle geht es einige Zeit vorbei, bevor es dann endlich in den Wald geht. Der ganze Tag ist eigentlich easy-going keine größeren Schwierigkeiten, außer einem Abstieg.

Wald und Straße waren diesmal wie immer gemischt. Das Wetter war den ganzen Tag über trocken jedoch kalt und bedeckt, erst kurz vor ende, als es ins Tal runter ging, klarte der Himmel auf. Ich möchte zu gerne wissen, wie die Belgier das machen: auf den Gipfeln regnet es und im Tal haben sie Sonnenschein, das zumindest war der Eindruck, den dieses Wochenende bei mir hinterlassen hat.

Ansonsten gibt es von dieser Etappe nichts Spektakuläres zu berichten.

In Rivière angekommen bin ich nach kurzem Zögern, ob ich nicht gleich zum Campingplatz gehen soll, der am Ortseingang ausgeschildert ist, doch zunächst zur Kirche ... irgendwie werde ich langsam aber sicher „Stempel-manisch” und für diesen Tag hatte ich noch keinen. Die Kirche wirkte eher verlassen: sie war geschlossen, einige Fenster kaputte (hatten kleine Löcher und Risse) und das Anschlagsbrett neben der Eingangstür sah aus als wäre es seit Jahren nicht mehr benutzt worden. Allerdings lag ein Haus direkt neben der Kirche, das so aussah als würde es dazu gehören. Ich beschloss dort zu fragen.

Der Pfarrer öffnete mir persönlich. Zwar sprach er kein Englisch, aber mittlerweile habe ich Übung darin mich lächerlich zu machen, indem ich mit vielen Gesten und seltsamen Lauten erkläre, was ich haben möchte. Schließlich verstand er, was ich wollte und ich bekam es auch. Als er den Eintrag „Aachen” sah, sprach er sogar ein paar Brocken in Deutsch.

Noch bevor ich zur Kirche gegangen war, war ich zunächst an Tankstelle daneben, um Wasser für den nächsten Tag und einen Vitaminsaft zu kaufen. Letzteren Trank ich und ging zurück zu der Kreuzung, wo der Campingplatz ausgeschildert war. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Wäre ich dem Jakobsweg gefolgt, wäre ich bestimmt 3 km weniger gelaufen: in einem großen Bogen entlang einer mehr oder weniger viel befahrenen Straße ging es den Berg hinauf. Mein GPS sagte mir ebenso wie mein Gefühl, dass ich so langsam aber sicher, der Kirche immer näher kam, die ich doch so eben verlassen hatte, auch wenn ich mich nun über ihr befand. Und so war es auch, kurz vor dem Campingplatz traf ich wieder auf den Wanderweg, und ging ihn in umgekehrter Richtung einige Meter bis zu einer Kreuzung, wo es zum Campingplatz abging.

Der Platz war fest in Niederländischer hand, sogar das Fernsehen brachte Kinderserien mit holländischen Untertiteln, und wer kein Holländer war, der kam zumindest aus Flandern. Vorteil: sie sprachen alle Englisch und ich konnte sogar hinreichend viel von den Nachrichten verstehen, als ich später ein (na gut: drei) kleine Biere in der angeschlossenen Kneipe trank.

Wie immer, wenn ich unterwegs bin, ging ich früh zu Bett und als es gänzlich dunkel war, schlief ich auch bereits. In der Nacht hat es zumindest 1x heftig geregnet: jetzt weiß ich für die kommenden Wanderungen wenigstens, dass das Zelt wasserdicht ist :)

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