Abkürzungen und Umwege

9. Tag - 23.08.2005 von Dinant nach Hermeton-sur-Meuse

So mein Urlaub hatte begonnen und den ersten „Tripp” hatte ich bereits hinter mir. Den Freitag zuvor bin ich ohne Umwege direkt nach der Arbeit zum Flughafen und von dort nach Bray in der Nähe von Dublin einen Freund besuchen. Am Samstag waren wir ein bisschen durch die Wicklow Mountains gelaufen und am Sonntag haben wir uns eine Flugshow in eben jenem Bray angesehen. Schon allein das „Bisschen” durch die Wicklow Mountains macht Lust auf mehr, als wir dann auch noch an einem Wanderzeichen des Wicklow-Way vorbeigekommen sind, freute ich mich schon auf meine kommenden Tage durch die Ardennen. Doch irgendwie war ich zugleich auch traurig nicht gleich hier laufen zu können, die Landschaft war herrlich. Allerdings waren wir an einem beliebten Tagesausflugsziel und es war viel los, von mir aus hätte es einsamer sein können.

Die Abende waren von langen, guten und nachdenklichen Gesprächen geprägt, na gut, ich gebe es ja zu, und der erste auch von einer Flasche Bushmills Malt... aber da waren wir noch zu viert.

Alles in allem ein sehr guter Auftakt für einen Urlaub.

Am Montag ging es schon sehr früh zurück nach Deutschland, so dass ich noch vormittags wieder in Düsseldorf und gegen Mittag zu Hause war. Reichlich Zeit auch noch die letzten Besorgungen zu machen. Und so entschied ich, bereits Dienstag mit der Tour zu beginnen, da ich den Tag nicht mehr zur Vorbereitung brauchte.

Montag stand zunächst einmal die Bahnfahrt nach Dinant und natürlich schaffte ich es, mich so zu verbaseln, dass ich den ersten Zug nicht erreichen konnte und den zwei Stunden später nehmen musste. Trotzdem schaffte ich es, meine Taschenlampe zu vergessen. Wirklich vermisst habe ich sie letztlich aber auch nicht.

Schon auf der Fahrt beschloss ich, nicht zum Kloster von Leffe zurück zu gehen, wo ich den eigentlichen Pfad letztes Mal verlassen hatte, sondern stattdessen entlang der Maas nach Anseremme zu laufen. Da ich dadurch einen Umweg und einen Auf- und Abstieg sparte, hoffte ich ein wenig der verlorenen Zeit wieder rein zu bekommen. Schließlich sollte es noch einige Male heute den Berg rauf und runter gehen, wie ich wusste, denn mittlerweile hatte ich mir Karten für die Wanderung besorgt. Nein, natürlich keine belgischen, Wunder kann ich auch nicht wirken, doch die französische Top 100 Karte des Grenzgebietes hat Dinant bereits drauf. Wahrscheinlich gibt es nur einen Kernbereich Belgiens für den keine brauchbaren topographischen Karten existieren, dort wo es weder an Deutschland noch an Holland oder Frankreich grenzt. Für das Gebiet ist der Maßstab 1:100.000 jedoch etwas zu grob, wie ich noch herausfinden sollte. Später in Frankreich reichte der allemal.

In Anseremme traf ich erwartungsgemäß wieder auf den Weg, der zunächst weiter an der Maas entlang führt. Dann kam die erste Steigung: in engen Serpentinen geht es mal eben 100m rauf. Oben angekommen läuft man keinen Kilometer bevor es wieder runter zur Maas geht. Doch die Aussicht entlohnt den Aufstieg vollständig.

Der Abstieg war ein wenig trickig und ich beschloss den Wanderstock einzusetzen. Da es steil den Berg runter ging und häufig Bäume in passender Griffweite fehlten, war er schon eine Hilfe, aber notfalls wäre es auch ohne gegangen.

Weiter geht es entlang der Maas auf einem kleinen Trampelpfad und dann wurde es zu kompliziert für mich, sprich verpasste eine Abzweigung. Statt also bequem über eine Kuhwiese zu laufen schlug - und das ist wörtlich gemeint - ich mich meilenweit durch den Dschungel neben der Kuhweide, bis ich schweißnass am anderen Ende wieder auf einen Weg traf. Markierungen fehlten, logisch, wer konnte schon damit rechnen, dass ein Verrückter quer durch den Wald läuft und hier wieder raus käme. Ich wandte mich nach rechts, der Maas zu, und siehe da, ich stieß wieder auf Wegzeichen für den GR125/126. Das Dumme an diesen ist nur, anders als der Jakobsweg, haben die GRs keine Richtung, mir war also nicht klar, ob ich den Weg wieder zurück musste und den Berg rauf oder ob ich gerade in die richtige Richtung lief. Ich entschied, ich wäre richtig, wie könnte es auch anders sein. Das Zeichen befand sich, wie in Belgien nicht unüblich, zweideutig zwischen zwei Weiden angebracht, die beide ein Tor für Wanderer hatten. Also weiter die Maas aufwärts, so falsch konnte das nicht sein.

War es auch nicht, nur richtig war es auch nicht. Richtig wäre gewesen, ich wäre über die andere Kuhweide gekommen und dann dem Weg den Berg rauf gefolgt. Irgendwann merkte ich das auch aber da der Weg zwangläufig wieder zur Maas zurückkehrt, ignorierte ich meinen Fehler und wartet darauf, dass ich wieder auf ihn stieße. Das tat ich schließlich auch und zwar an einer Stelle, an der es wieder Berg auf ging. Hier musste ich mich nun entscheiden, kam hier der verpasste Weg gerade runter, oder hatte ich den Teil auch verpasst. Richtungsmäßig war klar, der Anstiegt ging klar in die Richtung, in die ich wollte. Also rauf da.

Der Aufstieg war nicht ohne, erst ging es langsam los, entlang eines romantischen Baches mit vielen kleinen Wasserfällen, ein Pärchen wollte fotografiert werden, dann ging es eine Geröllpiste steil rauf. Abgekämpft oben angekommen, stellte ich zwei Dinge fest: erstens, dass ich diese Geröllpiste rauf ätzend fand, aber bestimmt nicht wieder runter wollte, und zweitens, dass ich falschrum laufe, denn oben war ein Jakobswegweiser angebracht und der zeigte definitiv in die Gegenrichtung. Ich konsultierte also meine Karte nach einer Alternative und fand eine, die zwar einen erheblichen Umweg ausmachte, dafür aber ohne Steigungen auskam.

So kam ich denn schließlich über Blaimont nach Hastiére, wo allerdings alles geschlossen war. Der Stadtplan zeigte zwei Campingmöglichkeiten: eine zurück zu dem Punkt, wo ich vom Weg abgekommen war und eine in Hermeton, meiner nächsten Station, die allerdings erst für morgen geplant war. Der eigentliche Weg dorthin führte erneut den Berg rauf und runter und war 6km lang, der Ravel entlang der Maas war nur 3km und eben. Da der Sonnenuntergang nicht mehr fern war, entschied ich mich für den Ravel und erreicht so den Campingplatz.

Es war ein typischer Platz für Dauercamper und ich fragte mich schon, ob ich da wohl würde Zelten können, aber auf der Preisliste standen durchaus Tagessätze für Zeltübernachtungen, also klopfte ich bei dem Haus, das mitten auf dem Platz stand, in der irrigen Annahme, hier würde bestimmt der Verwalter wohnen. Ein erboster Mann zeigte auf ein Schild, das auf Französisch verkündete, dass das Haus nichts mit dem Campingplatz zu tun hätte... tja, eben auf Französisch, jener mir doch so fremden Sprache. Als ihm das klar wurde, wurde er gleich freundlicher und rief die Verwalter. Vielmehr er brüllte über den ganzen Platz und eine Frau blieb stehen, drehte sich um und kam dann. Leider sprach sie auch nur Französisch, trotzdem war es mir möglich mit Händen, Füßen und ein paar eingeworfenen, mir bekannten Vokabeln klar zu machen, was ich wollte und sogar einige Fragen zu beantworten. So bekam ich einen Platz zugewiesen, den Schlüssel für die Toilette und die Dusche und gesagt, wo ich ein Restaurant finden würde.

Da es bereits anfing zu Dunkeln und die Dusche kein Licht hatte, ging ich erst duschen, dann mein Zelt aufbauen und dann zu dem Wohnwagen der Verwalter, um meinen Obulus zu entrichten. Ich wurde informiert, dass Jakobspilger auf ihrem Campingplatz für die Übernachtung nicht zu zahlen bräuchten, wohl aber für die Dusche, da müssten sie wohl den Satz nehmen. Also zahlte ich meine 65 Cent, überlegte ob ich Trinkgeld geben sollte, aber fast 100% Trinkgeld (1 Euro) fand ich übertrieben und für 15 Cent oder so hätte ich mich geschämt. Außerdem hatte ich es passend.

Anschließend ging ich dann essen. Das Lokal hatte den Scharm einer Autobahnraststätte, aber allein für die Kräuterbutter würden Kochs in Deutschland wohl einen Mord begehen: das Essen war spitze. Dazu gönnte ich mir Kriek (Kirschbier), wenn man schon mal in Belgien ist...

Gegenüber des Lokals auf der Maas schwamm Mitten auf der Maas ein komisches „Werk”, das einen höllen Lärm verbreitet, irgendwas (Steine?) aus der Maas rausholte und auf Schiffe verlud. Offensichtlich arbeitete es die ganze Nacht durch. Na wohnen, möchte ich da bestimmt nicht.

nach oben