Ankunft in Neuseeland

Genug der Vorbereitung, ich denke, die meisten hier interessiert ohnehin mehr der Trail selbst, als meine Vorbereitungen und der Hinflug. Ich überspringe deswegen diesen Teil der Reise und lande stattdessen erzählerisch gleich in Christchurch, sozusagen der Hauptstadt der Südinsel.

Neuseeland erreichte ich zur Mittagszeit, mein nächster Flieger nach Nelson ging erst zwei Stunden später. Zunächst wollte ich noch eineinhalb Tage bei meinem Chef verbringen, um die 12 Stunden Zeitumstellung zu verdauen, bevor ich mich in die Wildnis stürzen wollte. Außerdem musste ich noch einige Besorgungen erledigen, wie eine Karte von Stewart Island, einen Fließpulli für abends, einen Wanderstock, um die Tiefe von Schlammpfützen auszutesten - so glaubte ich - und ähnliches. Bevor man den Zollbereich verlassen darf, kann man sich entscheiden, ob man den grünen oder den roten Pfeilen auf dem Boden folgt: grün für „Ich habe nichts Gefährliches bei mir”, rot für „Ich bin ein schlimmer Umweltsünder, bitte filzen sie mich”. Ist man mit Rucksack unterwegs, stellt man sich besser gleich bei den roten Pfeilen an, ansonsten kann es teuer werden. Auch auf dem Zettel, den man im Flugzeug bekommt, kreuzt man im Zweifelsfall besser das „YES” als das „NO” an, bei Fragen wie: „Haben Sie Schuhe bei, mit denen sie in den letzten drei Monaten im Wald oder auf Bauernhöfen?”. Die Neuseeländer verstehen da keinen Spaß. Sie haben schon genug mit eingeschleppten Tieren und Pflanzen zu tun, die die heimische Flora und Fauna verdrängen, da wollen sie nicht noch mehr. Die Durchsuchung ist aber recht locker und ich war schnell draußen. Anderen allerdings haben sie die Schuhe weggenommen, geputzt und desinfiziert. Ganz verloren hat man, wenn man ein Zelt bei hat, das wird völlig zerlegt und inspiziert. Douglas Adams schreibt in „Die Letzten ihrer Art” ungefähr folgendes: „ich sollte mir merken, dass ich in Neuseeland einen Zwischenstopp einlegen kann, wenn ich mal wieder die Schuhe geputzt haben will”, das trifft die Situation ziemlich gut. Als ich anschließend vor den Flughafen trat, wusste ich, ich hatte die richtige Wahl getroffen: das Wetter war schön, die Insel grün, die Leute freundlich. Nur hatte ich noch nicht herausgefunden, welche Sprache sie sprechen, angeblich ja Englisch, aber woher kamen dann die beidseitigen massiven Verständigungsprobleme? Beispiel: bei dem Versuch ein Päcken Marlboro zu kaufen, und zwar die roten „red”, kam ich allein mittels Sprache nicht weiter, erst mit viel zeigen, kopfschütteln und nicken bekam ich, was ich wollte. Als die Verkäuferin meinen Wunsch erkannte, blitzte die Erkenntnis in ihren Augen, (lautgetreu): „The riiiiiiiiiit ones”. Ok, ich will nicht unfair sein, einiges kann man verstehen und wenn sie sich Mühe geben, erfasst man sogar den Sinn dessen, was sie sagen.

Inlandsflüge

Wie schon gesagt, ging es von Christchruch zunächst in den Norden nach Nelson. Nach 35 Stunden unterwegs, sitzt man die 45 Minuten dorthin auf einer Backe ab. Das Flugzeug ist allerdings ein Kulturschock: nach einem modernen, großen Airbus (Dubai-Christchurch) kommt jetzt die ultimative Propellermaschine für ca. 20 Reisende plus Stewardess und Pilot. Und nach deutschen Sicherheitsstandards kommt Neuseeländische Lässigkeit: die Gates 5-9 (oder so ähnlich) starten alle an der selben Tür, danach läuft man einfach quer über das Flugfeld den Linien mit der 8 hinterher, das ist nämlich Gate 8 am Ende der Linie findet man ein Flugzeug, in das man einsteigt. Und das ist noch ein internationaler Flughafen!

Gelandet bin ich auf dem nationalen Flughafen von Nelson. Meinen Chef sah ich schon hinter einer Glasscheibe stehen und auf mich warten. Wir trafen uns in der Flughafenhalle und ich meinte, ich müsste zunächst noch zum Band, meinen Rucksack abholen. Mein Chef meinte, kein Problem, ich solle ihm einfach folgen. Daraufhin rannte er aus dem Flughafen raus. Ich hinterher und nochmals betont, ich müsste zunächst noch zum Gepäckband, und er darauf, jaja so dämlich wäre er auch nicht, da würden wir doch gerade vor stehen. Wir standen mitten vor dem Eingang des Flughafens neben einem riesigen Rolltor, dass nach ca. 5 Minuten aufging. Heraus kam eine Art Mini-Elektrotraktor mit drei Anhängern, auf denen das Gepäck lag. Cheffe strahlte mich triumphierend an: „Das Gepäckband”. Die Geschichten in Nelson interessieren bestimmt auch niemanden hier, also werde ich die auch überspringen. Das einzig bemerkenswerte ist, wie einfach man 12 Stunden Zeitdifferenz wegsteckt. Eigentlich geht das spontan nur zwei Dinge habe ich selbst in drei Wochen nicht in den Griff bekommen: ich wurde jeden morgen vergleichsweise früh *freiwillig* wach (ca 7-8h) und nachts konnte ich meine Uhr danach stellen, dass ich spätestens um 2h dringendst auf’s Klo musste, weil mir die Blase zu platzen drohte, ein Problem - wie ich dem Leser versichern kann - dass ich hier in Deutschland durchaus nicht habe.

Eineinhalb Tage später war ich wieder auf jenem besagten Flughafen in Nelson, um vom Norden der Insel in den Süden zu fliegen. Ich gab mein Gepäck auf. Dämlicher Weise hatte ich nicht nur meinen Reisepass, sondern auch meinen Personalausweis in den Rucksack gepackt, damit ich ihn nur ja nicht verliere und selbigen zunächst aufgegeben. Da wollte die Schalter eine Identity-Card von mir. Mist, die waren im Rucksack und der war schon weg. Ich grinste blöd und erklärte ihr mein Problem. Sie meinte darauf nur, das wäre überhaupt kein Problem, ob ich vielleicht sonst irgendwas mit Foto und meiner Unterschrift hätte. Das erste, was mir in die Hände fiel, war mein Tauchschein, der reichte. Das Handgepäck wurde weder durchsucht noch durchleuchtet - „Ich glaube nicht, das die hier am Flughafen so was wie ein Röntgengerät schon mal gesehen haben” (Chef). Zurück ging es nach Christchurch und direkt im Anschluss weiter nach Invercargill, was sich durch ausgesprochene Hässlichkeit auszeichnet und sich somit von Nelson nicht großartig unterscheidet.

Hier hab ich meine vorerst letzten Besorgungen gemacht wie Lebensmittel und Gaskartuschen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir selbige zum zweiten Mal kaufte, denn in Nelson hatte ich auch bereits welche im Kaufrausch mit eingekauft ohne daran zu denken, dass man damit nicht in den Flieger darf. Gott sei Dank ist mir das noch rechtzeitig eingefallen.

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