Überfahrt nach Stewart Island

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus nach Bluff - kein Witz, so heißt die südlichste „Stadt” von Neuseeland. Mehr als den Peer hab ich allerdings nicht gesehen, denn es ging gleich weiter mit dem Schiff über die Foveaux-Straße nach Stewart Island. Die Maori nennen es „Rakiura”, was so viel heißt wie „Land des glühenden Himmels”, wahrscheinlich wegen der fantastischen Sonnenuntergänge und den häufigen Regenbögen.

Die Überfahrt dauert eine knappe Stunde, dann betritt man die Insel. Vorher hat man im Vorbeifahren schon mal einen Eindruck von der Fauna und der Landschaft bekommen: Palmen, dicht gedrängt und alles beherrschend, viele kleine Buchten, teils mit Steinen teils mit Sand, getrennt durch „Steilküste”. Über allem hängt ein grauer Himmel, der bedrohlich nach Regen aussieht. Doch was erwartet man, bei durchschnittlich 275 Regentagen im Jahr und arktischem Regenwald? Ich war also keinesfalls enttäuscht, sondern begeistert.

Die erste Nacht auf der Insel und die letzte Nacht in der Zivilisation verbrachte ich im Stewart Island Hotel: dem einzigen Hotel und zugleich der einzigen Bar der gesamten Insel. Allerdings gibt es noch eine Menge B&Bs (teurer) und zwei Hostels (preiswerter). Den Rest des Tages verbrachte ich mit einem Rundgang durch die benachbarten Buchten und suchte auch schon mal das Department of Conservation (DOC) auf, um in Erfahrung zu bringen, wann sie am nächsten Tag öffnen würden und ob ich dort die Sachen zurücklassen könnte, die ich nicht durch die Wildnis schleppen wollte. Schließlich war ich 3 Wochen in NZ und hatte auch Alltagskleidung bei und wollte weder Jeans noch Straßenschuhe mitnehmen in den Urwald. Allerdings ist das ein ziemlich gewöhnliches Anliegen, der Schrank kostet 2,50 NZ$ (ca. 2,50 DM = 1,25 EUR) zeitlich unbegrenzt, also bis man wieder zurück ist. Ferner erfuhr ich im DOC, dass der Weg an zwei Stellen von dem auf der Karte eingezeichneten abweichen würde und eine Hütte sich nun woanders befände. Die freundliche Dame zeichnete mir den neuen Weg auch gleich in meiner Karte ein. Auf die Frage, ob das Wasser trinkbar wäre, oder ob ich es „entgiften” müsse, meinte sie, sie würde es schon ihr ganzes Leben problemlos trinken, „but I’m from New Zealand and you from the other side of the world.” Dabei lächelte sie mich vielwissend an und wir wechselten das Thema. Was immer mir sie damit auch sagen wollte, ich hab das Wasser bis auf in einer Hütte einfach so getrunken und auch das aus den Bächen. Bislang geht es mir immer noch gut?

An diesen Abend gab es das letzte nicht selbst transportierte Abendessen und das letzte Bier für über eine Woche.

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