Vom höchsten Punkt zum längsten Strand

Rob und Steve hatten vor Mason Bay Hut zu überspringen, zwar war der Trip dorthin lang und auf 7 Stunden angesetzt, von Mason Bay nach Feshwater Landing allerdings ist es zwar vergleichsweise weit, 14 km reicht normalerweise für 10 Stunden auf SI, aber dafür durchgängig flach und gut ausgebaut. Rob war bereits früher schon mal den Southern Ciruit Track gelaufen und kannte das Stück, da die Strecke ab Mason Bay zu beiden Tracks gehört.

Sie brachen also als erste auf. Schon am Abend hatte ich Steve eine Gaskartusche von mir als Abschiedsgeschenk gegeben, ich war mit drei Stück los gezogen und hatte die erste noch nicht leer, was sollte ich also damit. Als Austausch gab es einen von seinen Armee-Schoko-Riegeln, den ich mir als Belohnung bis Mason Bay aufhob. Wir hatten auch email-Adressen getauscht. Die beiden waren schon weg, als ich aufstand. Ich ging davon aus, sie nie wieder zu sehen.

Als nächstes legte ich mich fast mit einer der beiden Frauen des Tramping Clubs an, erst fragte sie, wer diese Nacht durch die Hütte gelaufen wäre, rumgepoltert hätte und dann auch noch laut geschnarcht. Tja, das war wohl ich, meinte ich zunächst, ich bin aufgestanden (so gegen 1h um - wie jede Nacht in NZ - auf’s Klo zu gehen ... na, ich geb’s zu: zum nächsten Busch, da ist eh alles nass und es regnete immer noch. Und das ich schnarche habe ich schriftlich vom Arzt hier zu hause liegen. Ist nicht gefährlich (bei mir) aber lästig (für die anderen).

Wobei sich in den Nächten vorher noch niemand beschwert hatte, obwohl wir da auch nebeneinander geschlafen hatten. Ich schnarche zwar, aber wohl nicht durchgehend und nicht übermäßig laut. „Hat eher was beruhigendes, einschläferndes”, wurde mir mal gesagt. Ich glaub’s zwar nicht, weil mich schnarchen immer stört, aber bitte.

Als sie dann damit anfing, ich hätte auch mit der Ofentüre mehrfach krach gemacht, widersprach ich denn doch, ich bin nie am Ofen gewesen, und schon gar nicht mehrfach, so klein ist meine Blase nun auch wieder nicht. Sie ließ sich nicht davon abbringen und fing immer wieder davon an. Von da an, herrschte zwischen uns Eiszeit, wie immer bei so was: Kleinigkeiten. - Na gut, da ich mir einbilde eigentlich ein umgänglicher Mensch zu sein: wir beide haben das Thema gemieden und uns auch sonst nur noch wenig unterhalten.

Als ich loszog war Mr. Herz-Lunge-Beine noch da, er zog sich gerade an und kochte Tee, als ich loszog.

Der erste Teil der Strecke ist angenehm zu laufen: Gut es fängt sofort mit einer riesigen Schlammpfütze hinter der Hütte an und anschließend geht es anschließend geht es heftig steil nach oben, aber dann läuft man über einen Bergkamm mit fantastischer Aussicht der halbwegs trocken ist, ständig glaubt man, man hätte den höchsten Punkt der gesamten Reise erreicht und wäre nun auf 399m. Auch das Wetter war wieder umgeschlagen und somit sonnig.

Irgendwo auf der Strecke überholte mich Herz-Lunge-Beine nach einer guten halben Stunde. Wir machten beide eine kurze Pause für ein Schwätzchen, dann düste er mit Kondensstreifen an den Ohren weiter. Anders als ich, machte er sich gar nicht erst die Mühe, dem Schlamm auszuweichen, er lief knietief in das nächste Schlammloch, rutschte beim Versuch wieder rauszukommen ab, murmelte etwas und versuchte es erneut. Das nächste Mal habe ich ihn in der Hütte gesehen.

Hat man den höchsten Punkt denn wirklich erreicht, geht es steil bergab, in zwei Schüben, dann erreicht man Little Hellfire Beach. Einem kleinen, nicht mal 1km langen Sandstrand mit schönem, buntem Sand.

Die Brandung sieht aus wie aus der Faa Werbung.

Hinter dem Strand geht es dann innerhalb von 1 ½ km wieder auf 250m berg rauf und auf der anderen Seite auch gleich wieder runter. Dieses mal so steil, dass sogar Seile zum Festhalten oben an den Bäumen festgebunden worden waren. Den ganzen Tag über schon ging es nicht gleichmäßig Berg ab sondern immer in 50-100cm großen „Stufen” auf deren „Boden” einen eine kleine, aber unausweichliche und vor allem eist tiefe Schlammpfütze erwartete.

Das einzige was mich aufrecht hielt, war die Hoffnung Mason Bay Beach zu erreichen und dann einen 5km-Sprint über den Strand zur Hütte zurück zu legen. So hatte es immer geheißten: Mason Bay, ein beeindruckender riesiger Sandstrand!

Was dabei nicht erwähnt wird ist allerdings, dass die ersten Kilometer von Norden kommend noch überhaupt kein Sandstrand sind, sondern der zweitübelste Steinstrand der Strecke. Geschlagen nur durch den kleinen Strand des Vortages mit dem starken Wind und der war wirklich kurz.

Jedes Mal, wenn sich das Wasser zurückzog, sah man verheißungsvollen Sand, leider kam die Brandung aber immer noch bis über die Steine. Ich überlegte, ob ich auf den Tiefstand warten sollte, wusste aber nicht, ob das die Ebbe war oder die Flut. Außerdem wollte ich nach 14 km - was ansonsten die maximale Tagestour gewesen war und ich hatte noch 5 km vor mir - nur noch „nach Hause”. Also sprang ich mal wieder von Stein zu Stein. Den Tag über hatte sich eine Blase unter dem Fuß gebildet, direkt in der Mitte unterhalb der Zehen. Da machte das Steinspringen gleich doppelt Spaß. Auf dem Foto kann man eine Vorsprung erkennen, ich redete mir ein, dass ich es nur bis dort schaffen müsste und dahinter der Sand begänne. Die Theorie stimmte sogar zur Abwechslung mal :wink: Auf der hälfte der Strecke dorthin traf ich - wen wohl - Rob und Steve. Sie hatten entschieden, doch nur bis Mason Bay zu laufen und am nächsten Tag von Freshwater Landing zusammen mit den anderen Kiwis das Wassertaxi zu nehmen. Hier saßen sie nun und warteten darauf, dass die Ebbe den Sand frei legen würde. Ich rauchte zusammen mit ihnen eine und beobachtete das Wasser. Schließlich entschied ich, doch lieber zu gehen. Nach ca. 200-300m konnte man die Steine an der wasserabgewandten Seite umgehen, ich versuchte verzweifelt ihnen das mitzuteilen, aber die Brandung war zu laut. Da ich für die Strecke gut 15 Minuten gebraucht hatte, wollte ich auch nicht zurück laufen, denn das Wasser zog sich wirklich zurück, ihr Plan schien aufzugehen. Nach weiteren 15 Minuten war das Meer in der Tat so barmherzig die meiste Zeit über so viel Sand freizugeben, dass man neben den Steinen her weiterlaufen konnte. Man musste nur das Wasser im Auge behalten, denn hin und wieder kam eine Welle, die weiter auf den Strand spülte als die anderen. Man hatte aber Zeit rechtzeitig die Steine hinauf zu springen und trocken zu bleiben. Das funktionierte so lange gut, bis einer der Austernfischer

so einen Krach neben mir schlug, dass ich hingesehen habe. Meine rechte Seite war danach Nass bis zur Hüfte.

Weiter ging es über den Strand. In der Mitte von Mason Bay biegt man dann links ab und erreicht die Hütte nach einem weiteren guten Kilometer ebener, trockener Erde. Die neue Blase schmerzte beim Auftreten allerdings dermaßen, dass ich das nicht mehr genießen konnte, sondern einfach nur hinter mich bringen wollte.

Mason Bay Hut ist eine teilbewirtschaftete Hütte, will heißen, gelegentlich gibt es dort einen „Warden”, einen Wärter. Als ich ankam war eine solche Wärterin da. Sie fragte mich wo ich herkommen, wie lange ich bleiben und wo ich hin wolle. Außerdem ob ich einen Hüttenpass hätte. Ich meinte, sicher hätte ich einen, den für den NWC, irgendwo in meinem Protomonai tief vergraben in meinem Rucksack - da war er ja auch wirklich. Sie meinte nur, dann wäre ja alles klar oder ob ich noch fragen hätte. Die Hütte selbst hat zwei getrennt zugängliche Bereiche, den Kochbereich und den Schlafbereich.

War auftreten mit Schuhen schon eine Qual gewesen, ohne war es die Pest. Ich hatte mir den Tag so viele Blasen gelaufen, dass ich sie gar nicht mehr erst zählte. Solange ich saß, war alles ok, wenn ich sie belastete wollte ich nur noch weinen. Egal, ich wollte erst den nächsten Tag abwarten, bevor ich irgendeine Entscheidung treffen konnte, schließlich hatte ich ja schon mal gejammert und beinahe den Trip viel zu früh abgebrochen.

Außer den erwarteten Gästen war auch noch ein junger Schreiner aus Neuseeland da, der Kiwi-Spotting machte. Er zeigte mir Fotos von Ulva Island, einer kleinen Insel im Paterson Inlett von Stewart Island, die von den Neuseeländern von jeglichen Säugetieren befreit worden war und wo man einige einheimische Tiere, die vom Aussterben bedroht waren, wieder ansiedelte, in der Hoffnung, dass sie dort wieder heimisch würden. Ähnlich wie bei Codfish Island, das Douglas Adam in „Last Chance to See” (dt. Titel: „Die letzten Ihrer Art”) beschreibt, was übrigens ca. 3 km vor der Ostküste von Stewart Island liegt. Codfish Island darf jedoch nicht ohne Sondergenehmigung betreten werden und die bekommt kein normal Sterblicher. Gesehen habe müsste ich es eigentlich vom East Ruggedy Beach aus, kann mich aber nicht mehr daran erinnern.

Ich entschied, Ulva Island, zu besuchen, wenn ich wieder in Half Moon Bay wäre. Man kann sich ein Wassertaxi dahin mieten, eigentlich nimmt man einfach eines, die fahren so ca. alle Stunde rüber. Nachdem ich mich gewaschen und gegessen hatte, ging ich auch gleich ins Bett, ich war völlig fertig.

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